Automobilindustrie / Automotive

 

Aufgrund der hohen Auslandsnachfrage erreichte die türkische Kfz-Fertigung einen neuen Ergebnisrekord von 1,749 Mio. Fahrzeugen in 2017 und brachte der Automobilindustrie eine Kapazitätsauslastung von 86%.

 

Die Basis für die türkische Automobilindustrie entstand in den frühen 60‘ziger Jahren. Schritt für Schritt verwandelte sich der Sektor von rein montagebasierten Kooperationen zu einem für das Land wirtschaftlich wichtigen Schlüsselbereich mit bedeutenden Kapazitäten in F&E und Fertigung.

 

Allein zwischen den Jahren 2000 und 2016 investierten Erstausrüster mehr als 14 Mrd. USD in ihre Standorte in der Türkei. Diese Investitionen führten dazu, dass sich in der Türkei immer mehr bekannte Akteure der internationalen Automobilbranche mit umfassenden Wertschöpfungsketten niederließen. Heute ist daraus eine effiziente und konkurrenzfähige Automobilindustrie entstanden, die internationale Qualitäts- und Sicherheitsstandards überbietet.

 

Zu den nennenswerten Beispielen für globale Automobilmarken mit Produktentwicklung, Design und Konstruktion in der Türkei gehören AVL, Daimler, Fiat, Ford und Segula. Das F&E-Zentrum von Ford / Otosan ist eines der weltweit drei wichtigsten Zentren für die Forschung und Entwicklung von Ford. Die AVL hat sogar mit ihrem zweites türkischen F&E-Zentrum mit der Entwicklung von autonomen Fahrzeugtechnologien begonnen.

 

Die Türkei ist insbesondere bei der Fertigung von Nutzfahrzeugen ein wichtiger Standort und zählt zu den weltweit führenden Ländern in diesem Bereich. Die Lohnkostenvorteile des Lands ermöglichen im Vergleich mit westeuropäischen Ländern eine Reduktion der Produktionskosten von rund 1/3.

 

Elektromobilität und Digitalisierung

Momentan befassen sich alle Hersteller intensiv mit den Themen der Elektromobilität und der Digitalisierung. Die Elektromobilität wird insbesondere durch das nationale Projekt für ein „Türkisches Auto“ vorangetrieben. Ein Konsortium aus den 5 renommierten türkischen Unternehmen Anadolu Grubu (Isuzu), BMC, Kıraca Holding (Karsan Otomotiv), Türkcell und Zorlu Holding (Vestel) wurde unter durch eine Initiative des Staates ins Leben gerufen und hat mit der Entwicklung eines Elektro-/Hybridfahrzeuges begonnen. Die Herstellung des Prototypen ist für 2019 vorgesehen, mit der Serienproduktion soll in 2021 begonnen werden.

 

Das Interesse an Hybrid-Fahrzeugen wächst in der Türkei sehr schnell. In 2017 wurden insgesamt 4.528 Elektro- und Hybridfahrzeuge abgesetzt. In 2016 waren es noch 954 Fahrzeuge.

So konzentrieren sich neue Investitionen immer stärker auf Pläne und Maßnahmen in Verbindung mit den zukünftigen Elektro-/Hybridfahrzeugen, wobei das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt steht.

 

In der Sonderwirtschaftszone für die Kfz-Zulieferindustrie (TOSB) der Stadt Gebze soll dieses Jahr noch ein "Haus für das Auto der Zukunft" eingerichtet werden. Dort entstehen derzeit mehrere Kooperationen mit internationalen Partnern. Zum Beispiel unterzeichnete in 2017 die türkische Karsan mit BMW ein Kooperationsabkommen über den Einsatz von Motor und Hochleistungsbatterien des BMW Modells i3. Karsan befindet sich gerade unter den Kandidaten für den Bau eines Prototyps eines elektrischen Postwagens für die US-Post.

 

In 2017 hat der japanische Autobauer TOYOTA in sein türkisches Werk in Sakarya etwa 450 Mio. USD investiert und einen Automatisierungsgrad von 92% erreicht. Dadurch wurde das Werk auch an die Hybridtechnologie herangeführt. Die Jahreskapazität wurde so auf 280.000 Einheiten verdoppelt.

 

Nach Angaben des türkischen Automobilhersteller Verbandes (OSD) waren in der Türkei Ende 2017 insgesamt 19,086 Mio. Kraftfahrzeuge zugelassen.

 

Die Marktdurchdringung für Automobile liegt in dem Land allerding mit unter 200 Autos pro 1.000 Einwohner weit hinter dem europäischen Durchschnitt. Dies bedeutet, dass in den kommenden Jahren, bedingt durch den weiteren Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens, der türkische Binnenmarkt für viele Autohersteller hohe Wachstumsraten bieten wird.

 

Aber auch die Traktorenfertigung in der Türkei ist in Bewegung. Die türkische Anadolu Motor (Yazıcılar Holding) gründete gemeinsam mit dem italienischen Unternehmen Argo Tractors ein 50/50 Joint Venture zur Fertigung einer neuen Generation von Landini Traktoren.

Am Standort Şekerpınar / Türkei werden dafür in 2018 rund EUR 40 Mio. investiert. Davon sollen allein rund EUR 10 Mio. in die Betriebs- und Maschinenausstattung fließen. Im ersten Jahr werden mehr als 1.000 Einheiten und im fünften Jahr mindestens 6.000 Einheiten hergestellt. Der türkische Markt besteht zu etwa 3 / 4 aus der Motorleistungskategorie von 50 – 75 PS, den das neue Unternehmen besser bedienen möchte.

Erst wenige Tage zuvor hatte die indische Mahindra & Mahindra (M&M) die türkische Erkunt Traktör für ca. USD 76 Mio. übernommen. Erkunt Traktör erzielte 2016 mit mehr als 5.000 Einheiten einen Umsatz von etwa TL 314 Mio. (~ EUR 76 Mio.). Der Deal wird bis Ende November diesen Jahres abgeschlossen sein.

 

Man findet sogar eine Traditionsmarke aus Pesaro an der Grenzstadt Gaziantep zu Syrien. Der italienische Motorradhersteller Benelli und die türkische Kuba Motor werden ab 2018 gemeinsam im südostanatolischen Gaziantep einen neuen Fertigungsstandort errichten. Die Anlage umfasst insgesamt ca. 50.000 m². Zusätzlich sollen landesweit sukzessiv etwa 400 Servicestationen gegründet werden. Seit 2015 war Kuba Motor erfolgreich für den traditionsreichen Motorradhersteller aus Pesaro in Italien als Distributor für die Türkei aktiv.

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